OPEN LIVING... warum eigentlich?

Kürzlich stellte man uns die Frage, wie wir überhaupt dazu kommen, mit unserer Plattform eine Brücke zwischen technischer Nachhaltigkeit, also Möglichkeiten der Ressourcen- schonung und Energieeinsparung, und sozialer Nachhaltigkeit, was für uns die Schaffung von zukunftstauglichen Lebens-Räumen bedeutet, schlagen zu wollen.

Die Frage hat uns überrascht; Spontane Antwort: Wie denn nicht? Wie kann man anders als möglichst weitreichend, möglichst ganzheitlich an das Thema Nachhaltigkeit herangehen? Aber solche Fragen bringen uns oft auch dazu, unsere eigenen Beweggründe und Ziele zu präzisieren.

Für mich entwickelt sich nachhaltiges Bauen vor allem aus drei Komponenten:

Energieeffiziente Bauweise; Das heißt, sowohl durch eine hochwärmegedämmte und dichte Hülle,als auch durch eine kompakte Form und die ideale Ausrichtung des Gebäudes wird der Energieverbrauch reduziert, der dann möglichst aus regenerativen Quellen gewonnen wird. Darüber hinaus sollte auch die Produktion der Baustoffe ressourcenschonend sein. Die Zusammenarbeit mit regionalen Firmen reduziert dazu noch die Anfahrtswege.

Ökologisch vertretbare Wahl des Standorts und des Gebäudetyps; Dieser Ansatz bezieht sich eigentlich nicht nur auf nachhaltiges Bauen, sondern auch auf „nachhaltiges Leben“. Schon in der Planung werden dafür die Weichen gestellt, wenn bei der Wahl des Standorts auf zentrumsnahe Lage und Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel geachtet wird. Die Entscheidung für eine verdichtete Bauform bringt zwar den Verzicht auf das klassische Eigenheim mit Gartenzaun drum herum mit sich, dafür werden Bodenressourcen geschont und durch die kleinere Oberfläche wird wiederum Energie eingespart.

Soziale Nachhaltigkeit = Investition in die Lebensdauer; Wie kann ein Gebäude sozial nachhaltig sein und schon jetzt auf zukünftige gesellschaftliche Veränderungen reagieren? Bis zu einem gewissen Grad lassen sich die zukünftig Entwicklung beim Bedarf an Lebens-Raum -Größen und -Formen vorwegnehmen. Wir wissen zum Beispiel, dass wir in der Zukunft viel mehr barrierefreier Raum benötigen, oder dass die klassische Lebensform „Mutter Vater Kinder“ (eigentlich schon länger) nicht mehr das Maß aller Dinge ist. Auf den vielbesungenen demografischen Wandel einzugehen, erhöht die Lebensdauer jedes Gebäudes. Aber irgendwo enden unsere Möglichkeiten, kommende Entwicklungen zu antizipieren. Darum muss nachhaltiger Lebensraum vor allem eines sein: flexibel. Flexibel genug, um sich Entwicklungen, die wir jetzt noch nicht einplanen können, nicht starr entgegenzustellen, sondern Veränderungen mit Offenheit und Wandlungsbereitschaft einzuladen.

Sozial nachhaltig ist aber auch ein Kriterium für die Wohnform. In einer Gruppe von Menschen zusammenzuleben, bedeutet für mich, dass ich mich auf den Rückhalt der Gemeinschaft verlassen kann, dass ich von ihrer Lebendigkeit selbst belebt werde, und dass ich an den Konflikten, die in ihr entstehen, wachsen kann, und so wiederum auch die Gemeinschaft wächst. Und das ist für mich „OPEN LIVING“.

Wenn Sie bei jeder Entscheidung, die Sie treffen, nach einer für Sie selbst und Ihre Umwelt nachhaltigen Lösung suchen, und sich dabei ehrliche Antworten geben, dann wird das, was dabei herauskommt, ganz von selbst „ganzheitlich nachhaltig“ sein.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit,
Anna Moser